Kain

In graue Vorzeit, in den glücklichen Kindertagen der Menschheit, ernährten sich die Menschen von dem, was sie in der Natur fanden. Sie waren Jäger und Sammler.
Irgendwann entdeckten sie, dass man sowohl Pflanzen als auch Tiere an sich binden und züchten konnte. Aus den Sammlern wurden Ackerbauern und aus den Jägern Viehzüchter. Ganze Volksgruppen haben sich auf die eine oder andere Weise spezialisiert, je nach dem, wofür ihre Heimat besser geeignet war. Die Ackerbauern wurden sesshaft, die Viehzüchter blieben Nomaden, die immer dahin gingen, wo ihre Herden etwas zu fressen fanden. Doch damit waren die Konflikte bereits vorprogrammiert.

Viele Legenden berichten von gewaltigen Kriegen zwischen sesshaften Bauernvölkern und nomadisierenden Hirtenvölkern. Aber wie das mit Legenden so ist, wenn sie über Jahrtausende immer wieder nacherzählt werden, verändern sie sich. Aus Menschen wurden manchmal Götter und manchmal wurden ganzen Volksgruppen zu Einzelpersonen abstrahiert. Wo diese Konflikte nicht gelöst wurden, wirken weiter bis in die heutige Zeit. Ich denke nur an die Probleme, die einige alteingesessene Menschen mit Zuwanderern haben und an den Dauerstreit zwischen Vegetariern und Fleischessern. Letztendlich sind das immer noch die gleichen Themen wie vor Jahrtausenden.
Doch dort, wo es aber gelang, diese Konflikte zu überwinden, kam es zu einer zu eine kulturellen Blütezeit.

Im alten Indien lebten die Draviden als sesshafte Ackerbauern. Irgendwann fielen die viehzüchtenden Aryas in das Land ein und der Krieg war da. Gemeinsam bildeten diese Völker die Keimzelle für die indische Hochkultur, doch mancherorts schein es, als ob diese Konflikte noch immer nicht ganz überwunden sind.
Die Bhagavad Gita ist ein wunderbares Beispiel dafür, wie der Kampf, der Krieg, umgewandelt werden kann und wie das Ringen um geistige Weiterentwicklung oft den gleichen Gesetzmäßigkeiten folgt wie die Erfahrungen auf dem Schlachtfeld. Es begann damit, dass Arjuna die Angst davor überwinden musste, gegen seine eigenen Verwandten zu kämpfen. Das zeigt, dass es nichts bringt, den Kampfeswillen im Menschen zu unterdrücken. Er möchte befreit und transformiert werden.

Hier im Norden berichtet die Edda von den Kämpfen zwischen den Asen und den Wanen. Die Wanen waren Ackerbauern, die ursprünglich aus Afrika kamen, die Asen waren Reitervölker die aus Asien kamen, wie der Name schon verrät. Dass sie später als “Göttergeschlechter” bezeichent und als solche verehrt wurden, ist Legende.

Die Insignien des Pharaos waren der Hirtenstab und die sogenannte Geißel, die ursprünglich ein Dreschflegel war. Den Pharaonen war es gelungen, die Viehzüchter aus Oberägypten mit den Ackerbauern aus Unterägypten auszusöhnen und zu vereinen. Die Folge davon war die großartige Blüte der Ägyptischen Kultur.

Abel war ein Viehzüchter und Kain war ein Ackerbauer. Wieder ist es der gleiche Konflikt. In diesem Fall stehen Einzelpersonen symbolisch für ganze Völker. Aber diese Geschichte beinhaltet noch mehr, denn das Wort “Kain” bedeutet “Schmied”
Damit gehört Kain zur Familie der mythologischen Schmiede.
Nach dem Brudermord wurde Kain aus seiner Heimat vertrieben.
Das weist auf eine ganz besondere Kultur nomadisierender Schmiede hin, die aus den vormals sesshaften Ackerbauern hervorgegangen ist.
Noch deutlicher wird das, wenn wir die Nachkommen Kains betrachten.

Jabal war der Stammvater aller Nomaden.
Jubal war der Stammvater aller Musiker
Tubal-Kain war der Stammvater aller Schmiede
und ihre Schwester Naëma war die Urmutter aller Weberinnen.

Das bedeutet, dass alle vier Traditionen auf einen gemeinsamen Ursprung zurückgehen und erst später getrennt worden sind. “Heilung der Wurzeln” bedeutet auch, dass alles, was einst getrennt wurde, jetzt wieder zu einen Einheit zusammengeführt wird.
Deshalb bin ich so froh und dankbar, wenn ich mit meinen selbstgeschmiedeten Klangobjekten auf Reisen gehe und damit Konzerte gebe.

Jabal
Jubal
Tubal Kain

 

 

 

 

Und deshalb ist es mir so wichtig, das meine Gongs an handgewebten Bändern aufgehängt werden.

Naëma

“Tantra” bedeutet “Weben” und gemeint ist die Vereinigung von männlichen und weiblichen Eigenschaften und letztendlich die Vereinigung von allem, was getrennt ist und ursprünglich zusammengehört.
Bandweberei ist eine uralte Handwerkskunst, die bis heute von Archäologen und Historikern viel zu wenig ernst genommen wird. Wahrscheinlich, weil sie überwiegend von Frauen ausgeübt wurde und wird und nie eine wirtschaftliche Bedeutung erreicht hat.
Durch unterschiedliche Webtechniken ergeben sich ganz natürlich Muster und Symbole, die eine tiefe Bedeutung haben und oft Botschaften aus längst vergangenen Tagen übermitteln.
Für die KARMA GONGS habe ich mich für ein Muster entschieden, das bei Kekomäki in Finnland gefunden wurde. Das Symbol erinnert mich an einen Vogel, der genau wie der Gong-Klang seine Botschaft unabhängig von Raum und Zeit verkündet.

Heilung der Wurzeln bedeutet, dass der Brudermord endlich verziehen
und ausgesöhnt wird und mit ihm alle Brudermorde,
die seit dem geschehen sind.
Heilung der Wurzeln bedeutet, dass das Völkermorden endlich ein Ende hat und das die Menschen sich aussöhnen und lernen,
ihre Konflikte friedlich zu lösen
und sich vereinen zu einer neuen kulturellen Blüte.

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