Wieland/ Vølund

Dort, wo die südlichen Nordgermanen
und die nördlichen Südgermanen
nicht voneinander zu unterscheiden sind,
da liegt ein wunderbares Land,
Jütland genannt.
Hier soll einst Wieland gewirkt haben,
Wieland der Schmied.

Aufgewachsen war er auf Seeland.
In jungen Jahren soll er einer Walküre ihr Schwanengewand gestohlen und sie zur Frau genommen haben, bis sie Ihre Flügel wiederfand und damit ihre Freiheit wiedergewann.
Später hat ihn dann der König von Jütland betrogen und ihm die Beine gelähmt und ihn so gezwungen, für sich zu arbeiten,
bis Wieland sich Flügel schmiedete, sich grausam an dem König rächte und die Freiheit wiedergewann.

Diese Legende ist eine Erinnerung an die Großartigkeit und Tragik einer Zeitepoche, in der die Menschen ihre Macht über die Natur kennenlernten und wie alle Legenden ist sie sehr vielschichtig.

Etwas kurios an dieser Erzählung ist die dichterische Verknüpfung mit anderen Legenden, die ursprünglich nichts miteinander zu tun hatten. Oder doch?
Wielands Vater soll ihn bei Mime in die Lehre gegeben haben.
Mime war der beste Freund Odins, ein Riese, der die Quelle der Weisheit hütete und dem Odin ein Auge opferte, um aus dieser Quelle zu trinken.
Bei Mime hatte Wieland immer Streit mit einem anderen Lehrling, mit Siegfried: Weil dieser immer so hochmütig zu Wieland war, brach Wieland seine Ausbildung ab und ging dann zu den Zwergen in die Lehre.
In der Siegfried-Sage war Mime allerdings ein Zwergenschmied.
Ja, ja, die künstlerische Freiheit.
Wie viele Dichter und Erzähler sich wohl die Freiheit genommen haben, diese Legende nach ihren Vorstellungen zu ändern? Und wieviel mag dann nach Jahrtausenden noch von dem Ursprung erhalten geblieben sein?
Dann darf ich mir wohl auch die Freiheit nehmen, nach meiner Wahrnehmung mit dieser Legende zu spielen.

Aus karmischer Sicht ist diese Geschichte eigentlich ziemlich eindeutig: Wieland hatte der Walküre die Freiheit geraubt, bis diese ihre Flügel wiederfand. Also ist es die Konsequenz seiner eigenen Taten, dass ihm ebenfalls die Freiheit geraubt wurde, bis er sich selbst eigene Flügel schmiedete. Was er sich allerdings mit der grausamen Rache an dem König wieder aufgeladen hatte – wer weiß? Möglicherweise wirkt dieses Schicksal bis heute fort.

Auch aus ethno-medizinischer Sicht ist diese Legende interessant. Auffällig ist, dass weltweit viele mythologische Schmiede als hinkend dargestellt wurden. Das kommt daher, dass bei der historischen Methode, Kupfer zu verhütten, immer Arsen frei wurde und wenn man Arsen in geringen Dosen über längere Zeit inhaliert, wirkt es als Gift auf die Beine und diese werden steif. Es ist also ein deutliches Indiz dafür, dass Wieland ein Schmied aus der Bronzezeit war, obwohl in der heutigen Form der Legende steht, dass er das Eisen schmieden konnte, wie kein anderer. Aber die künstlerische Freiheit…

War Wieland im Ursprung nun tatsächlich eine Einzelperson oder war er mehr eine Sympolfigur für „den“ bronzezeitlichen Schmied an sich?
Es ist durchaus denkbar, dass der Schmied der die Himmelsscheibe von Nebra schmiedete, später als „Wieland“ in die Legende einging. Eine Botschaft, die dann bei mir ankam wie eine Herausforderung, es ihm gleichzutun.

Ich habe mich vor Jahren schon einmal mit Wieland beschäftigt, als ich große Schmerzen in meinen Knien hatte und niemand die Ursache davon herausfand. Während unseres letzten Umzuges 2016 bekam ich auf einmal unglaubliche Schmerzen in der rechten Schulter und nach drei Monaten begann sie, steif zu werden. Ich lief von einem Arzt zum nächsten, aber keiner konnte mir richtig helfen. Inzwischen weiß ich, dass dieses Phänomen als Frozen Shoulder bekannt ist. Aber das beantwortete immer noch nicht die Frage, warum ich das bekommen hatte. Genau in dieser Zeit begann ich mit meiner schmerzenden, steifen Schulter meine großen Gongs zu schmieden. Wie man auf diesem Bild sehen kann, mit links…

Gaia Gong, die „Mutter“ der EARTH Gongs

Und auf einmal ging mir – inspiriert durch Wieland und seine selbstgeschmiedeten Flügel – auf: Das ist ja wie bei einem Schmetterling! Wenn sich das Leben der Raupe erfüllt hat, verpuppt sie sich – genauso wie sich meine Schulter verkapselt hatte – und wird dann vollkommen umgewandelt, transformiert um hinterher fliegen zu können. Mein Arm wurde also vorbereitet, mir Flügel zu schmieden.
Und das sind sie nun, meine Schmetterlingsflügel:Heaven and Earth gongs

Ich hatte schon mehrfach mit meiner Werkstatt-Nachbarin, einer Künstlerin, über Wieland philosophiert, so dass sie mich im Scherz schon ab und zu „Wieland“ nannte. Dann war sie ein paar Wochen unterwegs, als eines Morgens, als ich beim Frühstück saß, mein Telefon klingelte. Es war diese besagte Nachbarin und sie sagte mir: „Wieland steht vor der Tür!“

… mit 300 kg Bronze auf einem LKW und der Fahrer fragt, wo ich meinen Gabelstapler hätte. Das frage ich mich allerdings bis heute. Ein LKW der Firma Wieland stand an der Straße vor meiner Werkstatt und brachte mir die Bronze für die EARTH Gongs. Wir haben alle Bleche einzeln abgeladen. Das war für mich wie ein feierliches Ritual. Wieland hatte mir die Bronze gebracht!

Nach all diesen Erlebnissen war es mir eine besondere Ehre, dass meine ersten Konzerte „Heaven and Earth Gong Celebration“ – die ersten nach der Premiere bei mir zu Hause – in Dänemark stattfinden sollten, eines auf Seeland und eines in Jütland, auf den Spuren von Wieland. Als ich aber dort von Wieland erzählte, hatte merkwürdigerweise bislang niemand von ihm gehört. Bis auf einmal jemand auf die Idee kam: Vølund!
Ja, das war die Lösung, in seiner Heimat heißte er „Vølund“und der war bekannt in Dänemark.

Eine logische Konsequenz daraus und ebenfalls ein große Freude für mich ist es, das der vierte EARTH Gong und inzwischen auch der vierte HEAVEN Gong, die mich auf diesen Konzerten begleitet haben, jetzt ihre Aufgabe auf Seeland in der Heimat Vølunds gefunden haben.

Danke Wieland/Vølund

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